Azure Integration Services oder SAP Integration Suite

Eine Guidance für Unternehmen und Architekten

Moderne IT-Landschaften zeichnen sich in Unternehmen durch eine hohe Komplexität und Heterogenität aus. Unterschiedlichste Anwendungen – von lokalen Legacy-Systemen bis hin zu hochskalierten Cloud-Diensten – müssen miteinander Daten austauschen und Geschäftsprozesse nahtlos unterstützen. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Integration: Nur wenn Datenflüsse optimal orchestriert und Schnittstellen gut gepflegt sind, können Unternehmen schnell auf Marktanforderungen reagieren und Innovationen vorantreiben.

Im Umfeld dieser Integrationsaufgaben sind Integrationsplattformen essentiell geworden. Sie ermöglichen standardisierte Prozesse, bieten vordefinierte Konnektoren und stellen umfangreiche Funktionen für Monitoring, API-Management oder Event-getriebene Architekturen bereit. Zwei der gängigsten Lösungen sind Microsoft Azure Integration Services und die SAP Integration Suite. Beide Plattformen verfolgen das Ziel, Integrationsherausforderungen in Cloud- und Hybrid-Szenarien effizient zu lösen. Dabei gibt es jedoch Unterschiede in Bezug auf den Fokus, das Lizenzmodell, die verfügbaren Konnektoren und die jeweilige Einbettung ins größere Produktuniversum.

Die vorliegende Guidance liefert einen umfassenden Vergleich dieser beiden Plattformen. Zunächst werden Microsoft Azure Integration Services und SAP Integration Suite im Detail vorgestellt. Anschließend werden ihre Gemeinsamkeiten, Unterschiede sowie Vor- und Nachteile herausgearbeitet. Wir betrachten typische Use Cases, in denen die jeweilige Plattform ihre Stärken ausspielen kann, und leiten daraus ein Fazit ab, das oft auf einen hybriden Ansatz hinausläuft: Abhängig vom konkreten Anwendungsfall kann die eine oder andere Plattform besser geeignet sein – oder es empfiehlt sich sogar, beide Technologien parallel einzusetzen.

1. Microsoft Azure Integration Services

Definition und Überblick

Microsoft Azure Integration Services ist die Integrationslösung innerhalb der breiten Azure-Cloud-Plattform. Microsoft hat diese Dienste in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut, um Unternehmen eine leistungsfähige und skalierbare Infrastruktur für sämtliche Integrationsszenarien bereitzustellen. Da Microsoft mit Office 365, Dynamics 365 sowie unzähligen Cloud-Komponenten (Azure Storage, Azure SQL, Power Platform etc.) ein umfassendes Ökosystem anbietet, sind die Integration Services natürlich darauf ausgelegt, sich nahtlos in diese Microsoft-Welt einzufügen. Aber die AIS gehen weit darüber hinaus. Mit über 800 Konnektoren lassen sich nahezu beliebige Umsysteme und auch Multi-Cloudsysteme über die AIS effizient und nahtlos verbinden.

Kernkomponenten
  1. Azure Logic Apps
    Herzstück der Azure Integration Services sind die Logic Apps. Dabei handelt es sich um einen Cloud-Dienst, mit dem sich Integrationsworkflows visuell per Drag-and-Drop erstellen lassen. Zahlreiche Konnektoren ermöglichen eine Anbindung an gängige Systeme wie Office 365, SQL-Datenbanken, Dynamics 365, Salesforce, SAP  und zwar sowohl in der Cloud als auch on-premise .

    • Logic-App-Workflows sind event- oder zeitgesteuert.
    • Einfaches Einbinden von Triggern (etwa wenn eine E-Mail eingeht) und Aktionen (z. B. Schreibe den Inhalt in eine Datenbank).
    • Schnelle Entwicklung auch für weniger tief in die Materie eingearbeitete Entwickler:innen oder Power User.
  2. Azure Service Bus
    Für eine asynchrone und zuverlässige Kommunikation zwischen Anwendungen stellt Microsoft den Azure Service Bus bereit. Die gängigen Messaging-Patterns wie Queueing, Topics und Subscriptions werden unterstützt. Dadurch lassen sich lose gekoppelte Architekturen realisieren, in denen Anwendungen Nachrichten austauschen, ohne direkt miteinander verbunden sein zu müssen.
  3. Azure Event Grid
    In Cloud-Szenarien wird Event-gesteuerte Integration immer wichtiger. Azure Event Grid ist ein Dienst, der Ereignisse (Events) empfängt und gezielt an Abonnenten verteilt. Dadurch lassen sich Änderungen in Echtzeit propagieren, beispielsweise wenn ein neuer Datensatz in einer Datenbank angelegt wird oder ein Blob in Azure Storage auftaucht.
  4. Azure API Management
    APIs sind in modernen Unternehmensarchitekturen unverzichtbar. Azure API Management dient dazu, diese APIs zentral zu verwalten, abzusichern, zu überwachen und zu skalieren. Features wie Rate Limits, Caching, Autorisierung oder ein Developer-Portal erleichtern sowohl internen als auch externen Konsument:innen den Umgang mit den bereitgestellten Services.
Funktionsweise und Besonderheiten
  • Nahtlose Integration mit einer Vielzahl von Anwendungen (Microsoft- und Nicht-Microsoft): Neben der tiefen Integration in die Microsoft-Welt bieten eine Vielzahl von Konnektoren auch die Anbindung an eine größtmögliche Zahl an Drittsystemen.
  • Pay-as-you-go: Der Verbrauch wird in der Regel nach Anzahl und Häufigkeit der ausgeführten Aktionen bzw. nach verarbeiteten Nachrichten abgerechnet. Das kann sehr kostengünstig sein, wenn das Transaktionsvolumen moderat bleibt, kann jedoch bei hoher Last auch zu unerwartet hohen Kosten führen.
  • DevOps und Infrastruktur: Azure Integration Services fügen sich nahtlos in DevOps-Konzepte ein. Der Rollout kann über Azure DevOps, GitHub Actions etc. automatisiert werden.

2. SAP Integration Suite

Definition und Überblick

Die SAP Integration Suite (früher: SAP Cloud Platform Integration) ist eine cloudbasierte Integrationsplattform, die primär für die Anbindung und Orchestrierung von SAP-Anwendungen entwickelt wurde. Sie stellt jedoch nicht ausschließlich SAP-Konnektoren bereit; auch Drittanwendungen lassen sich anbinden. Die Suite gehört zum erweiterten Portfolio der SAP Business Technology Platform (SAP BTP), das zusätzliche Services wie Analytics, Machine Learning oder Datenmanagement umfassen kann.

Kernkomponenten
  1. Cloud Integration
    Herzstück der Suite ist die Cloud Integration, ein iPaaS-Service (Integration Platform as a Service). Hier können Integrationsflüsse zwischen On-Premises- und Cloud-Systemen modelliert werden. Ähnlich wie bei Logic Apps gibt es eine webbasierte Modellierungsoberfläche.

    • Ein besonderer Fokus liegt auf SAP-eigenen Protokollen (IDoc, BAPI, OData etc.).
    • Zahlreiche Standardadapter zu SaaS-Lösungen sind ebenfalls vorhanden.
  2. API Management
    Mit dem SAP API Management können APIs konfiguriert, versioniert, abgesichert und überwacht werden. Hier ähnelt das Feature-Set stark Azure API Management. Für SAP-Kunden, die SAP-Fiori-Anwendungen und -Services bereitstellen möchten, ist diese Komponente essenziell.
  3. Open Connectors
    Die SAP Integration Suite bietet „Open Connectors“, die über 150 vordefinierte Schnittstellen zu verschiedensten Cloud- und On-Premises-Anwendungen bereitstellen. Ziel ist es, den Konfigurationsaufwand deutlich zu reduzieren.
  4. Event Mesh
    Als eventbasierter Messaging-Dienst kann der Event Mesh genutzt werden, um Datenänderungen (z. B. in S/4HANA) in Echtzeit an andere Systeme zu verteilen. Das Pendant in der Azure-Welt wäre Event Grid bzw. Event Hubs.
Funktionsweise und Besonderheiten
  • Tiefgreifende SAP-Integration: Für Unternehmen, deren Kernprozesse in SAP abgebildet werden (z. B. S/4HANA, SuccessFactors, Ariba), ist der Integrationsaufwand häufig geringer als bei einer Drittplattform.
  • Licensing: Die SAP Integration Suite kann Teil einer umfassenderen SAP-Lizenzierung (z. B. RISE with SAP, Cloud Extension) sein. Hier empfiehlt sich immer eine genaue Prüfung der vorhandenen Verträge.
  • Unterstützung für hybride Szenarien: SAP bietet spezielle Konnektoren und Adapter, um On-Premises-Systeme sicher an die Cloud Integration anzubinden.

3. Funktionale Gegenüberstellung

Architekturen und Bereitstellungsoptionen

  • Microsoft Azure Integration Services sind per se Cloud-Dienste. Über Hybrid-Konnektoren oder das On-Premises Data Gateway kann man jedoch lokale Systeme anbinden. Bei Bedarf kann man auch Teile der Logik in Containern (Azure Functions, Azure Container Instances) betreiben und so hochflexibel skalieren.
  • SAP Integration Suite fokussiert ebenfalls den cloudbasierten Betrieb, wobei SAP seit jeher Hybrid-Szenarien unterstützt. Insbesondere wenn ein SAP-ERP-System (ECC oder S/4HANA) On-Premises verbleibt, kann es mit entsprechenden Adaptern angeknüpft werden.

Ökosystem und Konnektoren

  • Azure bietet mittlerweile mehrere Hundert Standard-Konnektoren, die sich im Azure Portal oder bei Logic Apps als vordefinierte Bausteine finden lassen. Schwerpunkte sind Microsoft-Dienste, aber auch zahlreiche Drittsysteme wie SAP, Salesforce, MailChimp, Twilio etc.
  • SAP hat den Fokus eher auf SAP-eigenen Produkten, den wichtigsten Nicht-SAP-Cloud-Diensten und B2G-Prozessen. Durch „Open Connectors“ wächst die Liste stetig. Insbesondere der tiefe Zugriff auf SAP-Funktionalitäten (z. B. BAPIs, RFCs, IDocs) ist ein Alleinstellungsmerkmal.

Lizenzierung und Kostenmodelle

  • Microsoft: Pay-as-you-go-Modelle, Enterprise Agreements (EA) oder Azure-Consumption-Pläne. Logic Apps werden meist pro Workflow/Aktion abgerechnet; für Service Bus gelten Preise nach Nachrichtendurchsatz etc. Dies kann für kleine Integrationsvolumina sehr attraktiv sein, für hohe Durchsätze sollte man allerdings gut kalkulieren.
  • SAP: Die Integration Suite kann als Teil einer umfassenderen Subscription (z. B. SAP BTP Services) lizenzierbar sein. Bei Bestandskunden wird sie oft in die vorhandenen Lizenzen integriert. Hier ist die Preistransparenz teils geringer, weil viele Komponenten in einer Gesamtvereinbarung enthalten sein können.

Entwicklungsansätze und Tools

  • Azure:
    – Hauptwerkzeug ist das Azure Portal.
    – Logic Apps lassen sich mit einem Low-Code-Ansatz modellieren.
    – Für aufwändigere Szenarien kommen Visual Studio, VS Code oder Azure DevOps Pipelines zum Einsatz.
  • SAP:
    – Webbasierte Editoroberfläche für Integrationsflüsse.
    – Tiefere Eingriffe über spezielle Tools (z. B. Eclipse-Plugins für SAP, SAP Web IDE).
    – Für ABAP-nahe Entwicklungen (z. B. IDoc-Mappings) ist SAP-Fachwissen oft unerlässlich.

4. Vor- und Nachteile beider Plattformen

Microsoft Azure Integration Services

Vorteile

  1. Nahtlose Microsoft-Integration: Unternehmen, die auf Microsoft 365, Dynamics 365 oder .NET-Applikationen setzen, profitieren von einer unkomplizierten Anbindung.
  2. Breitere Konnektoren-Auswahl: Die Logik, Workflows und Konnektoren werden ständig ausgebaut, sodass viele Drittanbieter-Systeme schon „Out of the box“ angebunden werden können.
  3. Flexibles Pay-as-you-go: Gerade in Phasen niedriger Last zahlt man nur minimale Beträge. Startups oder kleinere Abteilungen können schnell loslegen.
  4. Skalierbarkeit und Verlässlichkeit: Azure-Rechenzentren sind global verteilt; Dienste wie Service Bus sind sehr robust und hochverfügbar.

Nachteile

  1. Steigende Kosten bei hohem Volumen: Wer Millionen von Nachrichten pro Tag verarbeitet, kann mit einem verbrauchsabhängigen Modell schnell an hohe Summen geraten. Microsoft bietet jedoch Enterprise-Kunden auch spezifisch dafür zugeschnittene Vertragsmodelle an.
  2. Komplexe Azure-Landschaft: Unternehmen ohne Azure-Erfahrung sehen sich schnell mit einer Vielzahl an Diensten konfrontiert (Storage, Functions, AKS, Event Grid usw.). Know-how ist unabdingbar. Natürlich beraten wir dabei gerne ;-)
  3. SAP-Integration nicht so tief: Es gibt zwar SAP-Konnektoren (z. B. für IDocs), aber die Integrationstiefe von SAP-nativen Lösungen wird selten ganz erreicht.
SAP Integration Suite

Vorteile

  1. Perfekte SAP-Kompatibilität: Kein anderer Anbieter bietet solch integrierte Mechanismen für SAP-Technologien. Damit lassen sich ERP-Prozesse, HCM (SuccessFactors), Beschaffung (Ariba) und mehr effizient verbinden.
  2. Konsistente Plattform: Für Kunden, die die SAP Business Technology Platform nutzen, fügt sich die Integration Suite nahtlos ein.
  3. Event Mesh und Open Connectors: Moderne Features ermöglichen es, den Anschluss an aktuelle Cloud-Trends (Event-basierte Architekturen, Low-Code-Konnektoren) zu halten.
  4. Gebündelter Support: Wer bereits SAP-Support-Verträge besitzt, profitiert von integrierten Service-Leistungen.
  5. B2G-Prozesse: Viele gängige B2G-Prozesse rund um Meldungen ans staatliche Stellen sind bereits vordefiniert und können über verfügbare Konnektoren unmittelbar und effizient eingesetzt werden.

Nachteile

  1. Preis und Lizenzkomplexität: Die Integration Suite kann Teil größerer Pakete sein, was für manche Unternehmen unübersichtlich oder kostspielig wirken kann. In der Regel ist die durchgehende Verwendung der SAP-Integration Suite im Vergleich zu den AIS teurer – aber Ausnahmen bestätigen die Regel und ein konkreter Vergleich ist erforderlich, um eine verlässliche Aussage für ein Unternehmen treffen zu können.
  2. SAP-spezifische Lernkurve: Wer vor allem Nicht-SAP-Systeme integriert, stößt eventuell auf höhere Komplexität bei Mapping, Transformationen und Deployment.
  3. Weniger verbreitet für Non-SAP-Fokus: Während Azure Integration Services eine breite Basis bei unterschiedlichen Branchen und Technologien hat, ist die SAP Integration Suite immer noch stark SAP-zentriert.
Kundenbeispiel

Für unseren Kunden Jungheinrich, einem der führenden Lösungs­anbieter für Intra­logistik, haben wir z.B. eine Multi-Cloud-Integrations­plattform auf Basis von SAP und Azure entwickelt – mit einem individuellen Entscheidungs­baum, wann welche Technologie zum Zuge kommen soll, und der dazu passenden Integrations­architektur sowie Implementierungs­guidelines: API- und Workflow-basierte Integrationen laufen auf Azure, während batch-orientierte und B2G-Integrationen auf der SAP BTP abgewickelt werden. Zur Sicherstellung einer optimalen Skalierbarkeit und Entwickler­effizienz wurde die Plattform modular, automatisierend, standardisierend und datensparsam gestaltet.

„QUIBIQ traf notwendige Entscheidungen, um eine optimierte und zukunftssichere Plattform aufzubauen, und so eine erfolgreiche Basis für Jungheinrichs globale Digitalisierungs- und Servicestrategie zu schaffen, die den Herausforderungen der digitalen Transformation gerecht wird.“

Jens Nödler, Team Leader Master Data Hub (MDH) & Data Exchange (DX), Jungheinrich AG

Jungheinrich Videocall QUIBIQ

Projekterfahrungsbericht  von Jens Nödler und Christoph Hanser aufgezeichnet auf der CONNECTED Conference

5. Typische Use Cases in der Praxis

Integration Microsoft-geprägter Landschaften

Ein gängiges Szenario ist ein Unternehmen, das auf Office 365, Dynamics 365 und Microsoft SQL Server setzt, aber nur wenige SAP-Module nutzt oder SAP erst perspektivisch einführen möchte. Hier ist es naheliegend, die Azure Integration Services zu verwenden, um:

  • Daten aus Office 365 automatisiert in Dynamics 365 zu übertragen (z. B. Kundenanfragen, die per E-Mail eingehen).
  • KI-Komponenten wie Co-Pilot nahtlos einsetzen
  • Batch-Prozesse zu automatisieren, indem Dateien in Azure Storage geschrieben und von einem Logic-App-Workflow verarbeitet werden.
  • Bestimmte Daten ins SAP-Backend zu schicken, falls SAP als ERP bereits existiert – hier kommen dann SAP-Konnektoren in Logic Apps ins Spiel.
Integration SAP-zentrierter Landschaften

Wenn ein Unternehmen auf S/4HANA, SAP SuccessFactors und weitere SAP-Module setzt, können viele Integrationsszenarien mit der SAP Integration Suite einfacher realisiert werden:

  • Belegflüsse: Bestellungen, Rechnungen, Aufträge oder Lieferungen werden direkt über IDocs oder OData-Schnittstellen verarbeitet.
  • HR-Integration: SuccessFactors lässt sich leicht mit Core HCM-Systemen verbinden, während die Integration Suite für die Anbindung von Drittsystemen (z. B. Talentmanagement-Tools, Payroll-Systeme) sorgt.
  • Erweiterte Prozesse: Über das SAP API Management lässt sich eine zentrale API-Schicht für sämtliche SAP-Systeme bereitstellen. Partner und externe Anwendungen können gezielt auf Daten aus dem ERP-System zugreifen.
Hybride Szenarien und Mischformen

In der Praxis findet man häufig Unternehmen, die sowohl SAP als auch Microsoft intensiv nutzen. Beispielsweise läuft das Kern-ERP auf SAP, während Collaboration in Office 365 und Customer Relationship Management in Dynamics 365 erfolgt.

  • In solchen Fällen kann es durchaus sinnvoll sein, beide Plattformen einzusetzen.
    • SAP Integration Suite kümmert sich um die tief in SAP verwurzelten Prozesse (etwa die Konvertierung von IDocs, Nutzung von RFCs, Abbildung komplexer BAPI-Logik) und B2G
    • Azure Integration Services orchestriert parallel Vorgänge in Office 365, externen SaaS-Diensten und Nicht-SAP-Datenbanken.
    • Über definierte Schnittstellen zwischen beiden Plattformen werden zentrale Datenflüsse abgestimmt.

Ein Vorteil dieser Aufteilung ist, dass die jeweilige Plattform ihre natürlichen Stärken ausspielen kann. Der Nachteil ist allerdings, dass zwei Systeme gepflegt und orchestriert werden müssen – dies erfordert entsprechendes Fachwissen sowie eine enge Abstimmung zwischen den Teams.

API-Management und Event-gesteuerte Integrationen

Sowohl Microsoft als auch SAP bieten leistungsstarke API Management-Komponenten:

  • Azure API Management: Häufig verwendet, um REST- und SOAP-Services im Microsoft-Stack zu publizieren und abzusichern. Developer-Portale können Partnern bereitgestellt werden.
  • SAP API Management: Stellt insbesondere für SAP-Fiori-Apps und Drittsysteme, die SAP-Daten konsumieren, eine einheitliche Verwaltungsschicht bereit.

Für Event-getriebene Integrationen stehen ebenfalls Dienste wie Azure Event Grid und SAP Event Mesh bereit. Damit lassen sich Szenarien realisieren, in denen Ereignisse in Echtzeit zwischen den Plattformen ausgetauscht werden – zum Beispiel wenn ein neuer Auftrag in SAP angelegt wird und gleichzeitig eine Logic App in Azure angestoßen werden soll, um eine Microsoft Teams-Benachrichtigung zu verschicken oder Datensätze in einem Data Lake zu aktualisieren.

SAP Microsoft Kontinuum

6. Fazit: Nicht „Entweder-oder“ sondern (meistens) „Sowohl-als-auch“ – je nach Use Case

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Die Frage, ob Microsoft Azure Integration Services oder die SAP Integration Suite „besser“ ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Beide Plattformen sind ausgesprochen leistungsfähig, werden stetig weiterentwickelt und bringen je nach technischer Ausgangslage und strategischer Ausrichtung klare Vorteile mit sich. Oft entscheidet nicht die Frage „Entweder – oder?“, sondern „Wie lässt sich das Beste aus beiden Welten herausholen?“ bzw. wie positioniere ich mich strategisch richtig auf dem SAP-Microsoft-Kontinuum.

  1. Unternehmen mit starkem Microsoft-Fokus (z. B. intensiver Einsatz von Azure, Office 365, Dynamics 365, .NET) werden in den Azure Integration Services eine natürliche, meist kostengünstige und nahtlos integrierte Option finden. Die Vielzahl an Konnektoren, das Pay-as-you-go-Modell und die exzellente Verzahnung mit anderen Azure-Diensten machen diese Plattform attraktiv.
  2. SAP-zentrierte Organisationen (klassische ERP-Anwendungen, S/4HANA, branchenspezifische Add-ons) profitieren ungemein von der SAP Integration Suite, da sie vollständig auf die Eigenheiten und Protokolle der SAP-Welt zugeschnitten ist. Die tiefgreifende Integration (IDocs, BAPIs, ABAP-Nähe) und die enge Verzahnung mit weiteren SAP-Angeboten (SuccessFactors, Ariba, Concur, Fieldglass etc.) sind hier ausschlaggebend.
  3. Hybride Landschaften oder Unternehmen, die sowohl Microsoft- als auch SAP-Technologien nutzen, könnten einen kombinierten Ansatz wählen:
    • SAP Integration Suite für SAP-spezifische Prozesse und Datenflüsse.
    • Azure Integration Services für den breiten Scope von Microsoft-Anwendungen, anderen SaaS-Services und eventbasierten Cloud-Szenarien, die außerhalb des SAP-Universums liegen.
    • Eine sauber definierte Schnittstelle zwischen beiden Plattformen stellt sicher, dass keine Dateninseln entstehen.
  4. Lizenz und Kosten:
    – Bei Microsoft sollte man das Transaktionsvolumen im Blick behalten, um Überraschungen bei den Kosten zu vermeiden. Durch Enterprise Agreements oder Volumenlizenzen ergeben sich oft Sonderkonditionen.
    – Bei SAP empfiehlt sich ein genauer Blick auf die Gesamtpakete, in denen sich die Integration Suite befinden kann. Mitunter ist sie bereits in anderen SAP-BTP-Subskriptionen enthalten, sodass die Kosten verhältnismäßig moderat ausfallen können – vor allem, wenn man viele SAP-Dienste nutzt.
  5. Zukünftige Entwicklungen: Beide Hersteller investieren stark in Low-Code/No-Code-Ansätze und eventgetriebene Architekturen. Microsoft erweitert die Power Platform, SAP arbeitet an der Weiterentwicklung der Business Technology Platform. Auch künstliche Intelligenz und Machine Learning halten mehr und mehr Einzug in diese Integrationswelten – denkbar sind etwa automatische Mappings oder intelligente Fehlerbehebung. Für die Auswahl einer Plattform ist also auch die langfristige Perspektive zu berücksichtigen.

Letzten Endes zeigt sich, dass die Entscheidung immer Use-Case-basiert getroffen werden sollte. Unternehmen sollten sich fragen:

  • Welche Kernsysteme dominieren aktuell meine IT-Landschaft?
  • Wie sehen meine Zukunftspläne aus (z. B. Cloud-First-Strategie, S/4HANA-Migration, Erweiterung der Microsoft 365-Landschaft)?
  • Wo liegen meine Kompetenzen und Ressourcen (Microsoft-Technologie, SAP-Fachwissen)?
  • Wie sieht meine Lizenzsituation aus und welche Kostenmodelle sind verfügbar?

Eine kombinierte Nutzung beider Plattformen stellt häufig den optimalen Mittelweg dar, um eine möglichst hohe Abdeckung von Funktionalitäten und Konnektoren zu erhalten, ohne sich auf eine einzige Welt beschränken zu müssen. Zwar erfordert dies mehr Koordination zwischen den Teams, doch die gewonnene Flexibilität und die Fähigkeit, jeweils die besten Werkzeuge für spezifische Anforderungen einzusetzen, sprechen oftmals klar für einen Best-of-both-Ansatz auf dem SAP-Microsoft-Kontinuum.