Microsoft Fabric verbindet Unternehmensdaten, KI-Agenten und Anwendungen enger miteinander. Was die Neuerungen der FabCon 26 für den Arbeitsalltag bedeuten und worauf es bei der Umsetzung ankommt.
Eine Lieferung verspätet sich. Das System erkennt die Abweichung, ein KI-Agent findet den passenden Vertrag, prüft die vereinbarten Fristen und ermittelt, wer sich darum kümmern muss. Aus einer Meldung wird eine Grundlage für die nächste Entscheidung. Dieses Beispiel zeigt, wohin Microsoft mit Fabric und Microsoft IQ will: KI soll mit dem Wissen eines Unternehmens arbeiten können. Dafür müssen Daten erreichbar, Begriffe eindeutig und Zuständigkeiten nachvollziehbar sein. Wir waren für QUIBIQ auf der FabCon 26 vor Ort und haben uns angesehen, wie Microsoft Daten, KI-Agenten und Anwendungen enger verbindet. Welche Neuerungen bringen Unternehmen konkret weiter? Was lässt sich bereits nutzen? Und wo müssen zunächst die Voraussetzungen geschaffen werden? Unsere wichtigsten Erkenntnisse. Sebastian Meyer war vor Ort.
Warum wird der Unternehmenskontext so wichtig?
Ein KI-Agent kann eine verspätete Lieferung erkennen. Ob sie geschäftskritisch ist, erschließt sich erst aus dem Zusammenhang: Welcher Kunde wartet darauf? Welche Zusagen gelten? Gibt es eine Alternative?
Genau hier liegt die Aufgabe. Wissen verteilt sich über ERP- und CRM-Systeme, Dokumente, Kennzahlen und die Zusammenarbeit verschiedener Teams. Ein Agent braucht Zugriff auf die relevanten Informationen und muss ihre Bedeutung einordnen können.
Für Unternehmen rückt damit eine bekannte Integrationsfrage ins Zentrum der KI-Strategie: Wie bringen wir Informationen aus unterschiedlichen Systemen so zusammen, dass daraus verlässliche Entscheidungen entstehen?
Was steckt hinter Microsoft IQ?
Microsoft IQ bündelt mehrere Bausteine, die unterschiedliche Arten von Kontext erschließen:
- Work IQ liefert Arbeitskontext aus Microsoft 365: Inhalte, Zusammenarbeit und Verbindungen zwischen Mitarbeitenden.
- Fabric IQ verbindet strukturierte Daten mit Geschäftsbegriffen, Regeln und Beziehungen. So wird erkennbar, wie etwa Kunden, Aufträge und Lieferungen zusammenhängen.
- Foundry IQ erschließt Unternehmenswissen aus Dokumenten und weiteren Quellen, damit Agenten Antworten auf nachvollziehbare Belege stützen können.
- Web IQ ergänzt Informationen aus dem öffentlichen Web.
Im Zusammenspiel können diese Bausteine einem Agenten helfen, eine Abweichung zu erkennen, passende Unterlagen heranzuziehen und die zuständigen Personen zu finden. Wie weit das bereits nutzbar ist, hängt vom jeweiligen Baustein ab: Die Verfügbarkeit reicht von allgemein verfügbaren Funktionen bis zu Preview und begrenztem Zugang.
Wie kommen die Daten zusammen?
OneLake bildet die gemeinsame Datenschicht von Microsoft Fabric. Zwei Mechanismen spielen dabei eine zentrale Rolle: Shortcuts ermöglichen den Zugriff auf unterstützte Datenquellen, ohne die Daten dafür zu kopieren. Mirroring spiegelt Daten aus unterstützten Datenbanken nach OneLake.
Auf der FabCon wurde das Ökosystem weiter ausgebaut. Dazu gehören die bidirektionale Anbindung von Salesforce Data 360 in Public Preview, Google BigQuery Mirroring und eine engere Integration von Dynamics 365 Business Central.
Für Unternehmen eröffnet das zusätzliche Wege, vorhandene Systeme in eine gemeinsame Datenbasis einzubinden. Welche Anbindung passt, entscheidet sich an der Quelle, der benötigten Aktualität und den Anforderungen an Berechtigungen und Betrieb.
Was verändert sich durch Echtzeitdaten?
Bei einer verspäteten Lieferung zählt, wann die Information verfügbar wird. Ein Bericht am nächsten Morgen hilft bei der Analyse. Ein Signal während des laufenden Prozesses schafft Zeit zum Eingreifen.
Real-Time Intelligence in Fabric verbindet die Verarbeitung solcher Signale mit Analyse und möglichen Folgeaktionen. Business Events machen geschäftliche Ereignisse nutzbar; über Activator lassen sich darauf aufbauend Aktionen anstoßen.
Wie groß der Unterschied sein kann, zeigte Emirates auf der Konferenz: Für den vorgestellten Einsatz im Frachtgeschäft berichtete das Unternehmen von einer verkürzten Reaktionszeit von fünf Stunden auf zehn Sekunden.
Für die Praxis beginnt die Arbeit mit einer präzisen Frage: Bei welchem Ereignis bringt eine frühere Reaktion einen messbaren Vorteil? Daraus lassen sich Datenquellen, Regeln und Verantwortlichkeiten ableiten.
Welche Rolle spielen Fabric Apps?
Ein Dashboard zeigt, wo Handlungsbedarf besteht. Eine Anwendung kann den nächsten Arbeitsschritt direkt unterstützen: eine Rückmeldung erfassen, eine Aufgabe bearbeiten oder Daten zurückschreiben.
Mit Fabric Apps baut Microsoft Fabric als Anwendungsplattform aus. Anwendungen können auf vorhandene Daten und semantische Modelle zugreifen; Funktionen für Backend, Berechtigungen, Hosting und Überwachung reduzieren den Aufwand, diese Komponenten separat zusammenzustellen.
Ein denkbarer Einsatz: Der Vertrieb sieht die Umsatzentwicklung und erfasst im selben Arbeitsablauf Informationen aus Kundengesprächen. Analyse und operative Arbeit rücken zusammen.
Ob Fabric Apps für einen konkreten Anwendungsfall passen, hängt von den benötigten Funktionen, der bestehenden Architektur und dem Reifegrad der jeweiligen Funktionen ab.
Fünf Fragen vor dem ersten Projekt
- Welcher Prozess soll besser werden? Benennen Sie die Entscheidung oder Aufgabe, die Sie beschleunigen wollen.
- Welche Informationen fehlen heute? Prüfen Sie die benötigten Systeme, Dokumente und aktuellen Ereignisse.
- Sind Geschäftsbegriffe eindeutig? Ein „kritischer Auftrag“ muss für Fachbereich, Datenmodell und Agent dasselbe bedeuten.
- Wer darf was? Legen Sie Datenzugriffe, mögliche Aktionen und erforderliche Freigaben fest.
- Woran messen Sie den Erfolg? Etwa an Reaktionszeit, Bearbeitungsaufwand oder Fehlerquote.
Was bedeutet das für QUIBIQ-Kunden?
Für uns zeigt die FabCon 26, wie eng Datenplattformen, Integration und KI inzwischen zusammengehören. Der Nutzen entsteht dort, wo ein Agent die richtigen Informationen im richtigen Moment erhält und innerhalb klarer Regeln handeln kann.
Wir verbinden Systeme, Daten und Abläufe und übersetzen die Möglichkeiten von Microsoft Fabric in konkrete Anwendungen. Dazu gehört auch, verfügbare Funktionen und Preview-Angebote passend zu den Anforderungen eines Projekts einzuordnen.
Sie möchten wissen, welcher Anwendungsfall in Ihrem Unternehmen davon profitiert? Sprechen Sie mit uns über Ihre Prozesse, Ihre Datenlandschaft und den nächsten sinnvollen Schritt.